Torvalds: Fork it or walk away
17. Juli 2026
Manchmal reicht ein einziger Satz, um wochenlange Debatten zu beenden. Das gilt zumindest dann, wenn er von Linus Torvalds kommt. Auf der Linux-Kernel-Mailingliste hat der Kernel-Chef kürzlich klargestellt, daß Linux kein Anti-KI-Projekt ist und das auch nicht werden wird.
Auslöser war eine Diskussion über den Umgang mit KI-gestützten Beiträgen, befeuert unter anderem durch Empfehlungen der Software Freedom Conservancy zum Einsatz von LLM-basierten Systemen bei FOSS-Beiträgen sowie durch den zunehmenden Einsatz von Sashiko, einem KI-gestützten Tool zur automatisierten Code-Review im Kernel. Einige Entwickler äußerten sich in dem Zusammenhang deutlich ablehnend gegenüber KI-Werkzeugen.
Torvalds widersprach in gewohnt undiplomatischer Deutlichkeit: wer ein Problem damit habe, könne den Kernel forken oder das Projekt verlassen. KI sei ein Werkzeug wie jedes andere und ein nützliches obendrein. Das war vor einem Jahr noch strittig gewesen, stehe heute jedoch nicht mehr zur Debatte. Zugleich betonte er, daß Linux nie ein Social-Warrior-Projekt gewesen sei: man betreibe Open Source, weil es zu besserer Technik führe, nicht aus ideologischen Gründen. Entscheidungen fielen nach technischen Kriterien, nicht aus Angst vor neuen Werkzeugen.
Ganz unkritisch sieht Torvalds die Entwicklung aber nicht. Bereits mehrfach hat er öffentlich seinem Ärger Luft gemacht, wenn jemand ungetesteten KI-generierten Schrott einreichte und den Maintainern die Nacharbeit überließ. Genau das habe ihn bislang eher in die Nähe der KI-Kritiker gerückt, obwohl sein eigentliches Problem die Schlamperei sei, nicht die KI selbst. Die Botschaft an die Kernel-Community ist damit unmissverständlich: Technik entscheidet, nicht Ideologie.