Frankreich macht Ernst mit Linux

09. April 2026

Seit das politische Klima zwischen den USA und der EU zum Jahresbeginn merklich abkühlte, stellten sich die Franzosen öffentlich die Frage: "Wäre es möglich, daß die USA den Zugang zu den Diensten amerikanischer Tech-Konzerne vollständig unterbrechen?" Oder könnte umgekehrt die EU mit einem Ausschluß amerikanischer Anbieter aus ihrem Binnenmarkt drohen?

In Frankreich überwacht die Interministerielle Direktion für digitale Angelegenheiten (DINUM) die IT-Ausrüstung und die Bereitstellung von Diensten in den verschiedenen Regierungsabteilungen. Der französische Premier Sébastien Lecornu beauftragte kürzlich DINUM, "die digitale Abhängigkeit des Staates von außereuropäischen Anbietern zu verringern".

Vor zwei Tagen veröffentlichte DINUM Informationen zum derzeitigen Stand von Planung und Umsetzung der Digitalstrategie. Im Rahmen des bereits laufenden Umstellungsprojekts "Poste de travail" (Workstation) wird die Ablösung von Windows durch Linux und einen europäischen Desktop?Stack verkündet. Dazu wurde ein interministerieller Plan beschlossen, für den jedes Ministerium bis Herbst 2026 einen Umsetzungsplan vorlegen soll, der die Bereiche Workstations, Kollaborationswerkzeuge, Antivirensoftware, künstliche Intelligenz, Datenbanken, Virtualisierung und Netzwerk umfasst.

Weitere souveräne Lösungen kündigte der Nationale Krankenversicherungsfonds vor wenigen Tagen in Form von Tools der interministeriellen digitalen Plattform wie Tchap (Messenger), Visio (Videokonferenzen) und FranceTransfert (sichere Dateiübertragung) an. Im vergangenen Monat kündigte die Regierung die Umstellung der Gesundheitsdatenplattform auf eine vertrauenswürdige Lösung bis Ende 2026 an. Bereits 2024 hatten Deutschland und Frankreich eine Zusammenarbeit bei der gemeinsamen Stärkung der digitalen Souveränität der öffentlichen Verwaltung beschlossen.

DINUM ist derzeit dabei, die eigenen Arbeitsplätze im Rahmen eines Pilotprojekts auf ein Linux?basiertes System umzustellen. Die interministerielle Digitaldirektion orientiert sich dabei an der Arbeit der französischen Gendarmerie, die bereits seit 2008 erfolgreich mit dem Ubuntu-Derivat Gendbuntu arbeitet. Als weitere Distribution ist auch EU-OS im Gespräch, eine Fedora-basierte Distribution mit KDE Plasma-Desktop.