Linux 6.19 bringt Verbesserungen für Grafik, Dateisysteme und Hardware-Kompatibilität
09. Februar 2026
Mit Linux 6.19 hat Linus Torvalds nach acht Release-Kandidaten gestern den letzten Kernel der Reihe 6.x veröffentlicht, die am 2. Oktober 2022 mit Linux 6.0 eingeläutet wurde. Der nächste Kernel trägt somit die Versionsnummer 7.0. Das hat Torvalds in den Release Notes für Linux 6.19 bestätigt.
Aus Sicht der Endanwender bringt Linux 6.19 vorrangig Verbesserungen für Grafik, Dateisysteme und Hardware-Kompatibilität. Viele Neuerungen zielen auf bessere Performance bei Alltagsaufgaben wie Dateioperationen und Gaming ab.
Der neue Kernel migriert ältere AMD Radeon GPUs der mittlerweile weit über zehn Jahre alten Baureihen HD 7000 und 8000 bis hin zur Radeon-R300-Serie zum modernen AMDGPU-Treiber, was native Vulkan-Unterstützung via RADV ermöglicht und bis zu 40% mehr Leistung in OpenGL/Vulkan-Workloads bringen soll. Mit Unterstützung von Valve soll dieser Übergang dazu dienen, den veralteten Radeon-Treiber zu ersetzen und auch älteren Grafikkarten zu besserem Gamingpotenzial zu verhelfen. Zudem gibt es Verbesserungen für Handhelds wie Steam Deck/ROG Ally und generell bessere GPU-Unterstützung. Eine neue DRM-Color-Pipeline legt zudem die Grundlage für echtes HDR auf Linux-Desktops mit Hardwarebeschleunigung.
Ext4 kann bei Kernel 6.19 mit Blockgrößen umgehen, die größer als die Speicherseite sind. Diese Einschränkung verlangte bisher, daß die Blockgröße mit meist 4 KB der Page Size entsprach. Die Unterstützung für große Blockgrößen (LBS) ermöglicht es Ext4 jetzt, verbesserte Schreibgeschwindigkeiten bei gebuffertem I/O zu erzielen, die mit Leistungssteigerungen von durchschnittlich bis zu 50 % einhergehen. Die Unterstützung wurde durch die Umstellung der Online-Defragmentierung von individuellen Buffer-Heads auf Folios ermöglicht, was Ext4 an die Fähigkeiten anderer Dateisysteme wie Btrfs anpasst. Folios sind eine moderne Methode zur Speicherverwaltung, die darauf abzielt, die Effizienz der Arbeitsspeicherverwaltung zu steigern. Damit haben die Entwickler den Online-Defragmentierungsprozess (e4defrag) nicht unwesentlich optimiert.
Ein Kuriosum ist der erste stabile Treiber für den vor über 50 Jahren von HP eingeführten General Purpose Interface Bus (GPIB) im Mainline Kernel. Bisher wurde der Treiber im Staging-Bereich von Enthusiasten gepflegt. Der Treiber findet heute noch Anwendung, vorwiegend in Laboren, wo der GPIB zur Verbindung von Messgeräten dient.
Der per Reverse-Engineering erstellte Laptop-Treiber für Geräte des taiwanesischen Herstellers Uniwill hält ebenfalls Einzug in den neuen Kernel. Damit einher gehen Verbesserungen wie die Begrenzung der Akkuladekapazität, die Umschaltung des WLAN-Funkmodus, die Steuerung der RGB-Lichtleiste, die Hardwareüberwachung über das HWMON-Subsystem, bessere Hotkey-Verarbeitung und andere Tastaturfunktionen. Werner Sembach von TUXEDO Computers hat mit seiner Patchserie dazu beigetragen, die neuen Funktionen des Treibers für TUXEDO-Geräte verfügbar zu machen.
Ein heikles Thema fassten die Entwickler während des Entwicklungszyklus ebenfalls an. Was passiert, wenn Torvalds aus welchen Gründen auch immer die Kernel-Entwicklung nicht mehr leiten kann? Es gibt zwar mögliche Nachfolger wie Greg Kroah-Hartman oder Ted Ts’o, aber was passiert, wenn diese nicht bereit oder in der Lage sind, einzuspringen? Im Zuge des Maintainers Summit im Dezember 2025 entstand die Idee zu einem Dokument, das auf den Namen Linux Kernel Continuity Document hört und vorsieht, daß im Fall der Fälle eine Art Konklave, ein Gremium aus Teilnehmern des letzten Maintainers Summits, die Nachfolge im Sinne der Community regelt.