Debian diskutiert die Entfernung von GTK 2

15. Jänner 2026

Obwohl GTK 4 bereits 2020 freigegeben wurde, ist die Durchdringung bei Linux bei weitem noch nicht flächendeckend. Die GNOME-Core-Apps sind größtenteils portiert, während viele Legacy-Anwendungen bei GTK 3 verbleiben. GTK-Desktops wie Cinnamon, MATE und XFCE bleiben primär bei GTK 3, da GTK-4-Apps dort noch Theming-Probleme oder fehlende Kompatibilität zeigen.

Vor wenigen Tagen wurde bei Debian ein MBF (Mass Bug Filing) eingereicht mit dem Ziel, GTK mit Debian 14 "Forky" aus der Distribution zu entfernen. Die letzte Version erschien 2020 und viele Distributionen haben den Code bereits entfernt. Matthias Geiger, der den MBF bei Debian einbrachte, begründet seinen Wunsch auf Entfernung mit fehlender Unterstützung sowohl für Wayland als auch für HiDPI.

Obwohl es für GTK 2 schon lange keine Sicherheitsupdates mehr gibt, ist die Liste der Pakete, die GTK 2 in Debian nutzen, mit 149 Paketen relativ lang. Ein Hindernis für den Abschluß dieser geplanten Umstellung ist zudem, daß der grafische Debian-Installer immer noch GTK 2 verwendet.

Viele der Pakete aus der Liste sind noch in Benutzung. Von daher kommt der Vorschlag, den GTK-2-Code nicht zu entfernen, sondern als verwaist (orphaned) zu deklarieren, um eventuellen Interessenten an der Pflege des Toolkits oder der Umstellung der verbliebenen Pakete eine Chance zu geben. Eine Entfernung des Codes würde bedeuten, daß abhängige Pakete ebenfalls aus dem Archiv verschwinden.

Andere Entwickler sind überzeugt, es sei ein schlechter Dienst an den Nutzern, Software, die bereits so lange nicht mehr weiterentwickelt wird, weiterhin in neuen Versionen mitzuliefern. Geiger hält dem entgegen, das kürzlich vorgestellte Debusine sei eine mögliche Plattform, um GTK 2 weiter zu betreuen. Zwei mögliche Maintainer haben sich bereits gemeldet. Die Diskussion über Entfernung oder Orphaning ist noch in vollem Gang.