Windows momentan nicht telefonisch aktivierbar
05. Jänner 2026
Neuer Ärger mit der Zwangsaktivierung: Windows läßt sich derzeit nicht telefonisch aktivieren. Wer es doch probiert, hört eine Bandansage. Die verkündet, daß der Anruf "derzeit" nicht bearbeitet werden kann, und verweist auf support.microsoft.com, also Microsofts allgemeine Support-Startseite.
Ob die telefonische Aktivierung nur momentan gestört ist oder ob Microsoft dauerhaft den Stecker gezogen hat, ist unklar. Eine Anleitung zum Aufruf der telefonischen Aktivierung ist weiterhin online verfügbar. Auch in Windows stecken die nötigen Dialoge noch drin.
Doch was hat es mit der Aktivierung eigentlich auf sich? Es ist eine Art Kopierschutz. Die Annahme, Sie hätten Windows (also die Software) gekauft, ist ebenso verständlich wie leider auch falsch. Was Sie erworben haben, ist bloß eine Lizenz, also ein Nutzungsrecht. Das ist bei Windows wie bei jeder anderen Software auch: damit Sie sie verwenden dürfen, muß Ihnen der Rechteinhaber das erlauben. Er darf im Rahmen der Gesetze frei entscheiden, was Sie das kosten soll und was Sie mit der Software anfangen dürfen. Die Bandbreite reicht von "macht damit, was ihr wollt" (Public Domain) über "nutzen, aber nicht verändern" (Freeware) bis hin zu kommerziellen Lizenzen mit umfangreichem Kleingedruckten. Zu letzteren gehören die dauerhaft gültigen Windows-Lizenzen, die Microsoft erst herausrückt, nachdem Sie zu den Milliardengewinnen des Konzerns beigetragen haben.
Die Aktivierung soll sicherstellen, daß Sie sich an der Kasse nicht vorbeischummeln. Die Installation nimmt Kontakt mit Microsofts Servern auf und erst, wenn die ihr Okay geben, schaltet Windows dauerhaft den vollständigen Funktionsumfang frei. Mitunter verlangt Windows eine erneute Aktivierung, etwa nach dem Tausch des Mainboards oder dem Umzug auf einen neuen PC. Und manchmal aus unerfindlichen Gründen auch einfach nur so.
Wichtiger Bestandteil des Aktivierungsprozesses ist der Installationsschlüssel. Das ist eine Zeichenfolge, die aus fünf durch Bindestriche getrennten Blöcken zu je fünf Zeichen besteht, was ungefähr so aussieht: 1ABCD-E2FGH-IJ3KL-MNO4P-QRST5. Ohne Schlüssel läßt sich Windows nicht installieren und erst recht nicht aktivieren. In jeder Windows-Installation steckt ein solcher Schlüssel, und zwar selbst dann, wenn Sie selbst keinen eingegeben haben. Während der Aktivierung wird geprüft, ob der Schlüssel zur Version und Edition der Installation passt, aktivierbar ist (es gibt auch "generische", bei denen das nicht der Fall ist) und nicht unerlaubt mehrfach verwendet wurde.
Das Aktivieren per Internet ist heutzutage das Standardverfahren: Schlüssel eingeben, auf Aktivieren klicken, dann nimmt Windows Kontakt mit Microsofts Aktivierungsservern auf und erledigt den Rest.
Eine Online-Aktivierung hat meist auch dann stattgefunden, wenn Sie sich selbst mit dem Aktivieren gar nicht befassen mussten. Das ist der Fall bei PCs großer PC-Hersteller, die bereits ab Werk mit einer Windows-Vorinstallation ausgestattet sind. Auf solchen Computern steckt ein zur Vorinstallation passender Schlüssel bereits in der Hardware, genauer in der Firmware des Mainboards und dort in der ACPI-Tabelle "MSDM". Wenn Windows auf einem solchen PC feststellt, daß es nicht aktiviert ist, sucht es an dieser Stelle nach einem passenden Schlüssel. Wird es fündig, verwendet es ihn und aktiviert sich damit automatisch. Eine Onlineverbindung ist dennoch erforderlich, denn auch bei dieser Form der Aktivierung nimmt Windows mit Microsofts Servern Kontakt auf.
Die telefonische Aktivierung ist für den Fall gedacht, daß ein PC etwa aus Sicherheitsgründen nicht ans Internet angeschlossen ist und das auch unbedingt so bleiben muß. Daß Microsoft dieses Angebot allenfalls noch widerwillig macht, ist daran erkennbar, wie sehr der nötige Dialog mittlerweile versteckt ist. Unter Windows 11 öffnen Sie mit der Tastenkombination Windows+i die Einstellungen und wählen unter "System" den Menüpunkt "Aktivierung". Windows wird feststellen, daß kein Internetanschluß verfügbar ist. Wählen Sie "Product Key ändern", tippen Sie einen gültigen Installationsschlüssel ein und klicken Sie auf "Jetzt aktivieren". Das endet erwartungsgemäß mit einer Fehlermeldung, die Sie wegklicken können. Erst jetzt ist in den Einstellungen unter System/Aktivierung der Punkt "Per Telefon aktivieren" sichtbar.
Wählen Sie aus der Länderliste Ihr Heimatland, doch Achtung: die chaotisch anmutende Liste ist grob nach den englischsprachigen Landesnamen sortiert. Deutschland beispielsweise finden Sie unter G für Germany, Österreich unter A wie Austria, die Schweiz fehlte ganz in der Liste auf unserem Testrechner.
Nach der Auswahl des Landes wird die Telefonnummer angezeigt (für Österreich: 0800/000000 oder +43 1 79567356). Wenn Sie die wählen, sollte Sie nun eigentlich ein Roboter automatisch durch die Aktivierung führen (bei Fehleingaben konnten Sie sogar bislang mit einem Mitarbeiter sprechen). Doch stattdessen kommt nun eine Bandsage, die sich je nach gewählter Telefonnummer zwar unterscheidet, aber stets nur aufs Internet verweist.
Statement von WITS.AT:
Wirklich toll Microsoft! Nachdem die Stimme fragt, ob das "Gespräch" aufgezeichnet werden soll oder nicht, sagt die Stimme Dir die Webadresse wo die Aktivierung schlußendlich durchgeführt werden soll: https://aka.ms/aoh.Eigentlich ist es ja logisch, daß eine Aktivierung "offline" nicht mehr durchgeführt werden kann. Wenn ich doch zu einem Online-Microsoft-Konto gezwungen werde, wie soll ich ein solches anlegen bzw. ein vorhandenes konfigurieren ohne Internet? Wir haben es bis dato immer so gelöst (zwar ein Mehraufwand), daß wir bei "Müllmail.com" eine Fake-Adresse für ein Microsoft-Konto genommen haben (meistens haben wir die Domain "existiert.net" genommen) und ein Dummy-Konto erstellt, einmal damit eingeloggt, einen lokalen Administrator mit Konto angelegt und das zuvor erstellte "Online-Konto" unter "großen Protesten" von Microsoft vom System komplett entfernt!
Gut, das brauchen wir jetzt nicht mehr! Denn dank Linux ist dieser Spuk vorbei. Wir supporten auch keine Windows-Installation mehr, wir raten allen zu einer reinen Linux-Umgebung!