Vorwürfe sexueller Belästigung: ORF-Generaldirektor Weißmann tritt zurück
09. März 2026, Update vom 17. März 2026
Beim öffentlich-rechtlichen Sender ORF kommt es zu einem überraschenden Führungswechsel. Generaldirektor Roland Weißmann hat am Samstagvormittag mit sofortiger Wirkung seinen Rücktritt erklärt. Hintergrund sind Vorwürfe sexueller Belästigung einer Mitarbeiterin, die aus dem Beginn seiner Amtszeit im Jahr 2022 stammen sollen.
Nach Informationen aus ORF-Kreisen sei die Mitarbeiterin dem Stiftungsrat bekannt, Weißmann selbst habe jedoch angegeben, ihre Identität nicht zu kennen. Bei der Betroffenen soll es sich zudem nicht um eine Moderatorin handeln.
Der Rücktritt erfolgt nur wenige Tage vor Weißmanns 58. Geburtstag - und offenbar auch kurz vor einer möglichen Entscheidung des ORF-Stiftungsrates. Laut Berichten soll das höchste Aufsichtsgremium dem Generaldirektor ein Ultimatum gestellt haben. Demnach kam Weißmann mit seinem Schritt einer möglichen Abberufung zuvor.
Über seinen Anwalt weist der ORF-Chef die Vorwürfe jedoch entschieden zurück. Rechtsanwalt Oliver Scherbaum erklärte, sein Mandant habe die Anschuldigungen bestritten. Eine inhaltliche Prüfung der Vorwürfe habe es laut Darstellung des Juristen nicht gegeben. Dennoch habe Weißmann "seinen sofortigen Rücktritt erklärt", um Schaden vom Unternehmen abzuwenden.
Seine interimistische Nachfolgerin steht Gerüchten nach bereits fest: Ingrid Thurnher übernimmt Weißmanns Position interimistisch.
Gregor Schütze, der Stellvertretende Vorsitzender des ORF-Stiftungsrates betonte zudem: "Mit der entschiedenen Vorgangsweise zeigt der ORF-Stiftungsrat, daß er auch in schwierigen Momenten eine ruhige Hand bewahrt. Ingrid Thurnher wird den ORF mit ihrer großen Erfahrung souverän durch diese herausfordernden Zeiten führen." Das gab auch Heinz Lederer, Vorsitzender des Stiftungsrates, am Montag in einer Aussendung bekannt.
Der im Raum stehende Vorwurf verlange dennoch "eine rasche und transparente Aufklärung in enger Kooperation mit der ORF-Compliance-Stelle", bei der die Wahrung des Schutzes der betroffenen Person das oberste Ziel sein müsse, so Lederer und sein Stellvertreter Georg Schütze. Ingrid Thurnher übernimmt interimistisch, hieß es.
Nach dem Rücktritt von ORF-Generaldirektor Roland Weißmann hat sich nun dessen Rechtsvertreter Dr. Oliver Scherbaum öffentlich zu Wort gemeldet - und erhebt schwere Vorwürfe gegen den Umgang des ORF mit seinem Mandanten.
Wie Scherbaum in einer Stellungnahme erklärte, sei Weißmann vom ORF-Stiftungsrat darüber informiert worden, daß ihm eine Mitarbeiterin unangemessenes Verhalten zu Beginn seiner Amtszeit im Jahr 2022 vorwerfe. Trotz des Umstands, daß Weißmann die Anschuldigungen bestritten habe, sei ihm lediglich eine Frist von wenigen Tagen eingeräumt worden, um seinen Rücktritt zu erklären.
Eine inhaltliche Prüfung der Vorwürfe habe zu diesem Zeitpunkt nicht stattgefunden, betont der Anwalt. Zudem sei seinem Mandanten der konkret erhobene Sachverhalt bis heute nicht vollständig vorgelegt worden.
Trotzdem habe sich Weißmann entschieden, Konsequenzen zu ziehen. Um Schaden vom ORF abzuwenden, sei er zu "weitreichenden Zugeständnissen" bereit gewesen und habe schließlich am Sonntag, dem 8. März 2026, um 11:45 Uhr mit sofortiger Wirkung sein Amt als Generaldirektor zurückgelegt.
Scharfe Kritik äußert Scherbaum auch an der öffentlichen Diskussion rund um die Vorwürfe. Die mediale Verbreitung eines bislang nicht aufgeklärten Sachverhalts stelle eine "völlig unangemessene und überschießende Reaktion" dar. Sollten die Vorwürfe von Dritten weiter verbreitet werden, könnten dadurch die Persönlichkeitsrechte seines Mandanten verletzt werden - rechtliche Schritte seien daher nicht ausgeschlossen.
Der Anwalt weist zudem darauf hin, daß der Vorgang wenige Monate vor der nächsten Wahl des ORF-Generaldirektors stattfinde.
Update vom 10. März 2026:
Der Konflikt rund um den Rücktritt von ORF-Generaldirektor Roland Weißmann weitet sich aus. Dass der SPÖ-nahe Vorsitzende und sein ÖVP-naher Stellvertreter die Angelegenheit offenbar zunächst im kleinen Kreis unter sich abgewickelt haben, sorgt nun für zusätzlichen politischen Sprengstoff. Kritiker sprechen bereits von einem rot-schwarzen Kurzschluß an der Spitze des Stiftungsrats.
Der von der FPÖ nominierte Stiftungsrat Peter Westenthaler erhebt gegenüber dem Nachrichtenportal exxpress.at schwere Vorwürfe gegen die Spitze des ORF-Stiftungsrats - und legt neue Details offen: "Seit sechs Tagen wusste der Vorsitzende des Stiftungsrats, Heinz Lederer, über die Vorwürfe Bescheid. In diesem Moment hätte er alle Stiftungsräte sofort informieren und in die Entscheidung einbinden müssen. Das wäre mit modernen Kommunikationsmitteln jederzeit möglich gewesen", sagt Westenthaler.
Stattdessen hätten viele Mitglieder des Stiftungsrats erst aus den Medien von der Affäre erfahren.
Für den FPÖ-Politiker ist das Vorgehen ein schwerer Bruch mit den Regeln des Stiftungsrats. "Der Stiftungsrat hat eine strenge Geschäftsordnung, und die wurde mißachtet. Das ist ein umfassender Bruch mit allen Usancen und Regeln. Es ist ein Skandal sondergleichen, daß der Stiftungsrat nicht eingebunden wurde."
Westenthaler geht noch weiter: sowohl der von der SPÖ entsandte Vorsitzende Heinz Lederer als auch dessen ÖVP-naher Stellvertreter Gregor Schütze seien aus seiner Sicht politisch nicht mehr haltbar. "Lederer und Schütze hätten beide umgehend alle Stiftungsräte informieren müssen. Beide sind für mich jetzt rücktrittsreif."
Der FPÖ-Stiftungsrat zieht einen Vergleich mit der Praxis in Unternehmen: "Stellen Sie sich vor, bei einer Kapitalgesellschaft erfährt der Aufsichtsratsvorsitzende, daß der Generaldirektor massiv beschuldigt wird. Er müsste sofort den Aufsichtsrat informieren. Alles andere wäre undenkbar."
Besonders kritisch sieht Westenthaler, daß der Stiftungsrat offenbar gar nicht mit den Vorwürfen befasst wurde. "Über die konkreten Vorwürfe gegen Herrn Weißmann hat man bislang nichts Näheres erfahren." Weißmann hatte damit auch nie die Möglichkeit, im Stiftungsrat dazu Stellung zu beziehen.
Für die nächste Sitzung des Stiftungsrats am Donnerstag kündigt Westenthaler eine genaue Aufarbeitung an. "Am Donnerstag werde ich klar nachhaken: Wie lautet konkret der Vorwurf? Von wem kommt er? Wo sind die Unterlagen? Der Unmut ist groß - viele sind empört."
Stiftungsratschef Heinz Lederer weist die Kritik zurück. Im Ö1-Mittagsjournal gibt er aber indirekt zu, daß der Stiftungsrat erst informiert wurde, nachdem die Öffentlichkeit bereits von dem Vorgang erfahren hatte.
"Wir haben Montag früh den Stiftungsrat informiert, weil bis dahin war nicht klar, in welcher Dimension und mit welcher Qualität das zu werten ist", erklärt er. "Ich finde es ist nur fair, jemand Unbescholtenen, der seit 30 Jahren in einem Unternehmen ist, sich als Generaldirektor nichts zu Schulden kommen hat lassen, ihm die Chance zu geben, innerhalb von 48 Stunden das nachzuprüfen und dann die Konsequenzen zu ziehen. Die hat er auch gezogen. Das ist ihm hoch anzurechnen."
Zur Kritik Westenthalers sagte Lederer: "Erstens trete ich nicht zurück. Zweitens ist das ein politisch lässliches Lied, was da passiert. Wir sind in einer Krise des ORF. Ich erwarte mir vom Stiftungsrat Westenthaler, daß er auch an das Unternehmen und die Mitarbeiter denkt." Hier gehe es um "politisches Kleingeld", so Lederer. Für Roland Weißmann gelte zudem die Unschuldsvermutung.
Zur Kritik an der fehlenden Einbindung des Stiftungsrats erklärte er: "Da geht es um hochpersönliche Sachen, um den Schutz einer betroffenen Person, um einen Generaldirektor, der bisher tadellos war. Das war eine wirklich schwierige Situation, ich glaube, wir haben sie bravourös gelöst."
Lederer sagt, ihm seien "Schrift-, Ton- und Bildmaterial" gezeigt worden, die den Vorwurf darstellen lassen. Er habe Weißmann unmittelbar nach Bekanntwerden der Vorwürfe ersucht, sich anwaltlich beraten zu lassen und die Situation zu klären. Sonntagvormittag habe er schließlich dessen Rücktritt erhalten.
Gleichzeitig habe er "alles eingeleitet, was das Arbeitsrecht hergibt", um die betroffene Person zu schützen.
Der ORF erklärte in einer Aussendung. "In den vergangenen Tagen hat eine ORF-Mitarbeiterin gegenüber dem Generaldirektor Vorwürfe der sexuellen Belästigung erhoben. Roland Weißmann bestreitet diese Vorwürfe." Der Vorwurf verlange "eine rasche und transparente Aufklärung in enger Kooperation mit der ORF-Compliance-Stelle", erklärten Lederer und Schütze.
Die Gegenseite stellt den Ablauf allerdings anders dar. "Meinem Mandanten liegt bis heute der von der Mitarbeiterin genau vorgebrachte Sachverhalt nicht vor, dennoch war er, um Schaden vom Unternehmen abzuwenden, zu weitreichenden Zugeständnissen bereit und trat daher mit sofortiger Wirkung von seiner Funktion als Generaldirektor zurück", erklärte Weißmanns Anwalt Oliver Scherbaum.
Zum Ablauf: "Mein Mandant wurde vom Stiftungsrat darüber in Kenntnis gesetzt, daß ihm von einer Mitarbeiterin unangemessenes Verhalten zu Beginn seiner Amtszeit als Generaldirektor (2022) vorgeworfen wird. Ihm wurde seitens des Stiftungsrates eine Frist von wenigen Tagen eingeräumt, um seinen Rücktritt zu erklären, obwohl mein Mandant die Vorwürfe bestritten hat und eine inhaltliche Überprüfung der Vorwürfe nicht erfolgte."
Zugleich kritisierte der Jurist die öffentliche Behandlung der Causa scharf. "Die mediale Verbreitung der in keinster Weise aufgeklärten Vorwürfe stellt eine völlig unangemessene und überschießende Reaktion dar. Diese Vorgehensweise, wie auch eine allfällige Wiedergabe der Vorwürfe durch Dritte, verletzen die Persönlichkeitsrechte meines Mandanten massiv." Dies geschehe "bezeichnenderweise wenige Monate vor der bevorstehenden Generaldirektorwahl im ORF." Der Anwalt kündigte rechtliche Schritte an.
Update vom 11. März 2026:
Die jüngsten Entwicklungen rund um den Rücktritt des ORF-Generaldirektors Roland Weißmann werfen nicht nur Fragen zur Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auf, sondern auch zu möglichen juristischen Konsequenzen für den Stiftungsratsvorsitzenden Heinz Lederer. Wie mehrere Medien berichten, könnten persönliche Haftungsfragen im Raum stehen.
Die Vorwürfe gegen Weißmann umfassen angeblich sexualisierte Inhalte auf Tonträgern, SMS und Fotos, die von einer ORF-Mitarbeiterin vorgelegt wurden. Heinz Lederer, Vorsitzender des Stiftungsrats, erklärte in der "ZiB2", daß diese Materialien den Verdacht eines Übergriffs nahelegen könnten. Gleichzeitig betonte er, daß der Schutz der Betroffenen oberste Priorität habe. Doch die Frage bleibt: wurden die Vorwürfe ausreichend geprüft? Laut dem Nachrichtenportal exxpress.at wirft Weißmanns Anwalt Lederer vor, voreilig gehandelt zu haben.
Besonders brisant ist die Frage, ob Lederer berechtigt war, den Rücktritt Weißmanns zu fordern. Laut ORF-Gesetz kann eine Abwahl des Generaldirektors nur durch den gesamten Stiftungsrat mit einer Zweidrittelmehrheit erfolgen. Sollte sich herausstellen, daß Lederer eigenmächtig gehandelt hat, könnten Schadenersatzforderungen gegen ihn und andere Stiftungsräte erhoben werden. Der Medienrechtsexperte Hans-Peter Lehofer erklärte gegenüber der APA, daß Stiftungsräte denselben Sorgfaltspflichten wie Aufsichtsräte einer Aktiengesellschaft unterliegen.
Die Vorwürfe und der Rücktritt Weißmanns haben auch eine politische Dimension. Während SPÖ-Chef Andreas Babler eine weibliche Führungsspitze fordert, nutzen die Freiheitlichen die Situation für Kritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Der freiheitliche Stiftungsrat Peter Westenthaler forderte gar den Rücktritt der gesamten Stiftungsratsführung.
Update vom 14. März 2026, 09:00 Uhr:
Im ORF braut sich der nächste schwere Verdacht zusammen: ausgerechnet der Chef des Kontrollgremiums soll für einen Verband tätig gewesen sein, mit dem der ORF millionenschwere Geschäfte macht.
ORF-Stiftungsrat Peter Westenthaler erhebt schwere Vorwürfe gegen den Vorsitzenden des Stiftungsrats, Heinz Lederer (SPÖ). Dieser soll den Österreichischen Skiverband (ÖSV) beraten haben – während der ORF gleichzeitig umfangreiche Medienrechte für Ski-Weltcupveranstaltungen erworben hat.
Westenthaler zeigte sich fassungslos: "Es ist so eine Unglaublichkeit. Allein die Idee, so etwas zu machen." Für ihn steht fest: "Es kann nicht sein, daß ein Stiftungsrat – noch dazu der Vorsitzende – dafür bezahlt wird, den Österreichischen Skiverband zu beraten."
Der ORF ist seit Jahrzehnten zentraler Medienpartner des österreichischen Skisports. Erst vor Kurzem wurde die Partnerschaft erneut verlängert: der ORF sicherte sich die nationalen TV-, Radio- und Online-Übertragungsrechte für zahlreiche Weltcupbewerbe des ÖSV langfristig.
Dabei geht es um ein umfangreiches Rechtepaket für Wintersportarten wie Ski Alpin, Skispringen, Nordische Kombination, Langlauf, Snowboard und Freestyle. Rennen wie Kitzbühel oder Schladming zählen regelmäßig zu den größten Quotenhits des Senders.
Genau hier sieht Westenthaler eine problematische Konstellation.
"Während er vom Österreichischen Skiverband bezahlt wird - und das ist kein Vorwurf gegen den ÖSV -, kauft der ORF gleichzeitig Rechte dieses Verbandes um Millionen", erklärte Westenthaler. Für ihn ist eine solche Situation mit der Rolle eines ORF-Kontrollorgans kaum vereinbar. "Wenn ich oberster Aufsichtsrat des ORF bin, dann kann ich mich nicht von einem Geschäftspartner des ORF für Beratung bezahlen lassen, während der ORF dort Millionen investiert. Das ist unvereinbar."
Der Stiftungsrat ist das zentrale Kontrollgremium des ORF. Er überwacht unter anderem die Geschäftsführung und strategische Entscheidungen des Senders.
Westenthaler kündigte an, der Angelegenheit nachzugehen. "Wir werden sehr genau prüfen, ob es hier - es gilt natürlich die Unschuldsvermutung - möglicherweise auch strafrechtlich relevante Verdachtslagen gibt", sagte er.
Der ORF schlittere möglicherweise in eine neue Affäre. "Wir steuern hier auf den nächsten Skandal zu, der hier aufpoppt."
Das Nachrichtenportal exxpress.at hat sowohl Heinz Lederer als auch den Österreichischen Skiverband mit konkreten Fragen konfrontiert. Man wollte wissen, ob Lederer den ÖSV beraten hat, in welchem Zeitraum dies geschah, ob die Tätigkeit zeitlich mit Geschäftsbeziehungen zwischen ORF und ÖSV zusammenfiel und ob ein möglicher Interessenkonflikt gemäß Geschäftsordnung gemeldet wurde. Selbstverständlich blieben die Anfragen unbeantwortet!
Der Stiftungsrat ist das Kontrollorgan des ORF - vergleichbar mit einem Aufsichtsrat. Umso heikler wäre es, wenn sein Vorsitzender entgeltlich für eine Organisation tätig war, mit der der ORF gleichzeitig millionenschwere Geschäfte macht.
Denn die Geschäftsordnung ist eindeutig: eigene Interessen dürfen nicht den Interessen des ORF widersprechen. Mögliche Interessenkonflikte müssen offengelegt werden; bei persönlicher Interessenkollision ist die Stimme zu enthalten (§ 14 der Geschäftsordnung). Externe Tätigkeiten sind zwar nicht per se verboten. Die entscheidende Frage lautet aber: gab es hier einen meldepflichtigen Interessenkonflikt?
Update vom 14. März 2026, 12:55 Uhr:
Polit-Wirbel um den ORF: gegen den roten Stiftungsratsvorsitzenden Heinz Lederer stehen schwere Vorwürfe im Raum. Es geht dabei nicht nur um eine mögliche Benko-Connection, sondern auch um einen brisanten Droh-Vorwurf gegen "profil"-Chefredakteurin Anna Thalhammer. Jetzt fordert die FPÖ eine sofortige Stellungnahme von Medienminister Andreas Babler.
Hafenecker legte in einer Aussendung nach und sprach von "handfesten Skandalen". Babler dürfe zur "Benko-Connection" des von ihm installierten ORF-Stiftungsratsvorsitzenden und zu dessen angeblichen Drohungen gegen eine Journalistin "nicht länger schweigen".
Auslöser ist laut FPÖ ein Bericht der Kronen Zeitung. Demnach kommt Lederer in Abrechnungen des Anwalts von Ex-ÖVP-Intimus und Signa-Pleitier René Benko vor.
Laut Hafenecker soll Lederer in den Jahren 2022 und 2023 mehrfach mit dem Benko-Anwalt kommuniziert haben. Das sei genau in jener Zeit gewesen, in der Signa bereits negativ in die Schlagzeilen geraten war und auch die ORF-Berichterstattung längst lief. Laut FPÖ habe es dabei etwa auch Kommunikation über einen Bericht des ORF-Formats Report gegeben.
Für Hafenecker ist das politisch brisant. "Nach Gusenbauer und Dornauer ist das die nächste SPÖ-Verbindung in Richtung Benko", erklärte er. Zugleich stellte er die Frage in den Raum, welchem Zweck diese Kommunikation gedient habe. Wörtlich sagte der FPÖ-Generalsekretär: "Was war der Zweck der Kommunikation zwischen Lederer und dem Benko-Anwalt? War es vielleicht der Versuch, auf die ORF-Berichterstattung Einfluß zu nehmen?"
Besonders heikel ist aus Sicht der FPÖ aber ein weiterer Punkt: Hafenecker verweist auf eine Enthüllung von "profil"-Chefredakteurin Anna Thalhammer auf der Plattform X. Demnach soll ihr Lederer nach einem ihm nicht passenden "profil"-Bericht Konsequenzen im ORF angedroht haben.
Sollte dieser Vorwurf zutreffen, wäre das politischer Sprengstoff. Hafenecker spricht in diesem Zusammenhang von einem Angriff auf die Presse- und Meinungsfreiheit. "Journalisten einzuschüchtern, ist ein klarer Angriff auf die Presse- und Meinungsfreiheit, der nicht akzeptiert werden darf", so der FPÖ-Politiker.
Noch schärfer wurde Hafenecker mit Blick auf Lederers Funktion im ORF: wenn ein ORF-Stiftungsratsvorsitzender wegen eines ORF-kritischen Berichts einer Journalistin drohe, dann seien "eigentlich alle Dämme gebrochen".
Im Zentrum der Freiheitlichen Kritik steht nun SPÖ-Vizekanzler und Medienminister Andreas Babler. Für Hafenecker ist dessen Schweigen nicht länger haltbar. Der Medienminister dürfe "den Kopf nicht einfach in den Sand stecken", wenn gegen seinen Genossen derart schwere Vorwürfe im Raum stünden.
Die FPÖ fordert deshalb eine sofortige Reaktion und "volle Transparenz". Babler müsse Stellung beziehen und klare Konsequenzen setzen, verlangt Hafenecker. Sonst, so seine zugespitzte Kritik, könne er "Benko gleich die SPÖ-Ehrenmitgliedschaft verleihen".
Damit ist der nächste politisch heikle Streit um den ORF voll entbrannt. Im Raum stehen Fragen nach möglichen Kontakten ins Benko-Umfeld und nach dem Umgang mit kritischer Berichterstattung. Die Vorwürfe sind massiv, der Druck auf Babler steigt.
Ob und wie der Medienminister reagiert, bleibt offen. Klar ist aber schon jetzt: diese Causa hat das Potenzial, nach dem ÖSV-Job, die nächste große ORF-Debatte auszulösen.
Update vom 17. März 2026:
Die Affäre rund um den Rücktritt von Ex-ORF-Generaldirektor Roland Weißmann spitzt sich dramatisch zu. Wie seine Rechtsvertreter nun mitteilen, wurde nach umfassender Prüfung eine Sachverhaltsdarstellung bei der Staatsanwaltschaft Wien eingebracht.
Beauftragt mit der rechtlichen Analyse war Strafrechtsexperte Norbert Wess. Das Ergebnis: es besteht der Verdacht auf strafrechtlich relevantes Verhalten mehrerer involvierter Personen. Wer genau betroffen ist, bleibt vorerst offen.
Die weitere Bewertung liegt nun ausschließlich bei den Ermittlungsbehörden. Parallel dazu prüft Weißmann auch zivilrechtliche Schritte.
Statement von WITS.AT:
Auch auf die Gefahr hin des Haßsturmes gegen uns: wir verstehen die Motive der Frau nicht (bzw. können uns diese Denken!). Was ist der Frau passiert? Wurde Sie am Rücken, Schulter oder Knie berührt? Oder an einem anderen Körperteil (Gesäß, Brust)? Dann mach ich doch gleich einen "Schrei" und sag "so nicht"! Aber emanzipierte Frauen haben das scheinbar verlernt (wir sagen jetzt nicht, daß des der Frau damals gefallen hat!) - das NEIN sagen! Und ausgerechnet jetzt - knapp vor einer möglichen Wiederwahl von Hrn. Weißmann - tauchen diese Vorwürfe auf, die aus dem Anfang 2022 stammen; also dem Beginn der Leitung des ORF als Generaldirektor.Brauchte die Frau jetzt knapp 4 Jahre Bedenkzeit? Nein, sicherlich nicht! Wir glauben, sie entstammt entweder aus der "roten" oder "grünen" "Reichshälfte", um die Koalitionsvereinbarung (ÖVP stellt Generaldirektor, SPÖ Stiftungsratsvorsitzender) zu "überrollen". Somit ist gesichert - im ORF gibt es KEINE politische Einflußnahme! (Satire off!)