Ungarn stoppt Millionen-Transport: Österreich im Zentrum eines Bankenskandals
08. März 2026
Es war eine Aktion, die in ihrer Dramatik kaum zu überbieten ist: am 5. März 2026 stoppte Ungarns Anti-Terror-Einheit TEK zwei gepanzerte Fahrzeuge der ukrainischen Staatsbank Oschadbank mitten auf dem Weg von Österreich in die Ukraine. Sieben ukrainische Staatsbürger, darunter ein ehemaliger General des ukrainischen Geheimdienstes, wurden festgenommen ? zusammen mit 40 Millionen US-Dollar, 35 Millionen Euro und neun Kilogramm Gold.
Ungarns Steuer- und Zollbehörde NAV bestätigte die Festnahme und gab an, im Rahmen strafrechtlicher Ermittlungen wegen des Verdachts auf Geldwäsche zu handeln.
Das Brisante an dem Fall: die Fracht stammt aus Wien. Die Oschadbank erklärte in einer offiziellen Stellungnahme, der Transport habe "den regulären Austausch von Devisen und Bankmetallen zwischen der Raiffeisen Bank Austria und der Oschadbank Ukraine" dargestellt und sei gemäß internationaler Transportvorschriften und europäischer Zollverfahren abgewickelt worden.
Die Raiffeisen Bank International wollte das gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters weder bestätigen noch dementieren ? und berief sich auf das Bankgeheimnis. Auf einem Video vom Zugriff der TEK sind im Fahrzeuginneren Kärtchen mit Giebelkreuzen zu erkennen ? dem bekannten Raiffeisen-Logo.
Laut Bloomberg handelt es sich dabei nicht um eine Ausnahmeaktion: der Transport soll Teil einer regulären Lieferkette gewesen sein, die Bargeld für Unternehmen und Bürger in der kriegsgebeutelten Ukraine sicherstellt. Die Oschadbank betonte, ihre Kassentransporter führten solche Fahrten wöchentlich durch.
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Ungarns Premier Viktor Orbán, der mitten im Wahlkampf steckt und die Ukraine offen als "Feind" bezeichnet, ließ durchblicken: "Wir werden Dinge stoppen, die für die Ukraine wichtig sind, die durch Ungarn passieren ? bis die Ukraine der Durchleitung von Öl zustimmt."
Budapest und Kiew liegen seit Wochen im Clinch über russische Öllieferungen via Druzhba-Pipeline. Der Geldtransport-Stopp wirkt wie eine Eskalation dieses Konflikts mit anderen Mitteln.
Die ukrainische Seite spricht von einer Geiselnahme: Außenminister Andrii Sybiha erklärte, die sieben Mitarbeiter seien über 24 Stunden ohne Zugang zu rechtlicher Hilfe oder konsularischer Unterstützung festgehalten worden. Mittlerweile sind die Ukrainer wieder zu Hause ? die Fahrzeuge und das Bargeld befinden sich jedoch weiterhin in ungarischem Gewahrsam.
In Österreich schlägt die FPÖ Alarm. Generalsekretär Christian Hafenecker forderte laut seiner offiziellen Aussendung auf OTS "lückenlose Aufklärung" und ortete "unmittelbare Verdunkelungsgefahr". Er stellt zentrale Fragen: warum werden derartige Summen physisch per Transporter und nicht per Überweisung transferiert? Wer sind die tatsächlichen Endbegünstigten?
Hafenecker sieht Österreich als "Drehscheibe" in einem möglichen Finanzkrimi und verweist darauf, dass die ÖVP in der Vergangenheit auf EU-Ebene für Sanktionsausnahmen zugunsten der Raiffeisen Bank geworben habe ? jener Bank, die nun im Zentrum des Vorfalls steht.
Die entscheidenden Fragen sind noch ungeklärt: handelt es sich tatsächlich um reguläre Bankgeschäfte ? oder steckt mehr dahinter? Ungarn ermittelt wegen Geldwäsche, die Ukraine spricht von legalem Routinetransport. Der österreichische Anwalt Dr. Lóránt Horváth, der die Oschadbank-Mitarbeiter vertritt, erklärte gegenüber der Kyiv Post, die sieben Ukrainer seien zu keinem Zeitpunkt formal angeklagt worden ? sie galten lediglich als Zeugen in einem Verfahren gegen unbekannte Täter.
Die österreichische Bundesregierung hat sich bislang nicht geäßert. Das Schweigen dürfte nicht lange halten.
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