Restrukturierung und Investor: So will Mediashop überleben
27. Februar 2026
Der Schock sitzt tief, die Sorgen sind groß. Mit der Firma Mediashop wird eines der größten und bekanntesten Unternehmen der Stadt ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung beantragen. Mit Restrukturierungsmaßnahmen und einem Investor soll der Kopf aus der Schlinge gezogen werden, so der Plan. Auch Personalmaßnahmen stehen dabei zur Diskussion.
Rund 45 Millionen Euro an Passiva machen diesen Schritt für das international bekannte und agierende Unternehmen, das zu den führenden Anbietern im Bereich Direct-to-Consumer-Commerce gehört und seit 1999 innovative Produktlösungen aus den Bereichen Haushalt, Küche, Fitneß, Gesundheit, Beauty sowie Lifestyle entwickelt, vermarktet und vertreibt, notwendig. Den Gläubigern wird eine Quote von 20 Prozent angeboten. Das Hauptquartier für Österreich befindet sich in Neunkirchen, im Büro am Spitz sind etwa 162 Mitarbeiter beschäftigt.
162 Mitarbeiter und rund 459 Gläubiger sind betroffen, die Passiva liegen bei rund 45 Millionen Euro laut Angaben des schuldnerischen Unternehmens. Als Aktiva gibt man Anteile an nationalen wie internationalen Tochtergesellschaften an. Deren Wert müsse laut AKV aber erst eruiert werden. Zudem sei man Eigentümer zahlreicher Marken- und IP-Rechte, die verpfändet sind und Eigentümer einer Liegenschaft in Neukirchen, die grundbücherlich belastet ist, so das Unternehmen.
Die Gründe für die finanzielle Schieflage des Teleshopping-Pioniers sind vielfältig: in den vergangenen Jahren sah sich die Mediashop GmbH zum einen mit tiefgreifenden Veränderungen im Konsumverhalten und einem zunehmend herausfordernden Marktumfeld konfrontiert. Zum anderen belasteten die wachsende Dominanz internationaler Handelskonzerne, der hohe Wettbewerbsdruck sowie eine Verschiebung hin zu globalen Online-Plattformen das nationale Handelsumfeld stark.
Der im Herbst 2025 bestellte CEO Stephan Rumpf hat laut Aussendung des Unternehmens im Zuge des Transformationsprozesses bereits wesentliche Restrukturierungsmaßnahmen umgesetzt, die positive Effekte zeigen. Eine umfassende betriebswirtschaftliche Analyse ergab jedoch, daß eine Fortführung des Unternehmens in der bisherigen Struktur wirtschaftlich nicht darstellbar ist.
Ziel der Geschäftsführung ist es, in enger Zusammenarbeit mit dem gerichtlich zu bestellenden Insolvenzverwalter eine tragfähige Sanierungslösung umzusetzen und die Marktposition des Unternehmens insbesondere im Bereich digitaler Vertriebskanäle zu stärken. Auch das Hinzuziehen eines strategischen Investors ist geplant, um den Fortbetrieb und die Wettbewerbsfähigkeit am europäischen Markt langfristig abzusichern.
Parallel dazu wird im Zuge der Antragstellung eine Meldung beim Arbeitsmarktservice vorgenommen. Gemeinsam mit dem Insolvenzverwalter werden zusätzlich auch Maßnahmen im Personalbereich evaluiert. Die Mitarbeiter wurden bereits über die Situation persönlich informiert.
Der gesamte operative Betrieb – einschließlich TV-Ausstrahlung, Online-Shop und Kundenservice – bleibt vorerst aufrecht. Im Rahmen des Sanierungsverfahrens wird sorgfältig geprüft, ob und in welchem Ausmaß weitere Gesellschaften der Mediashop-Gruppe betroffen sind. "Das Unternehmen bedauert diese Entwicklung und wird in enger Abstimmung mit dem zuständigen Gericht sowie den eingesetzten Experten alle Möglichkeiten ausschöpfen, um im Rahmen eines transparenten und geordneten Prozesses einen Investor zu gewinnen und damit den Fortbestand des Unternehmens zu sichern", heißt es am Ende der Stellungnahme.
Der konzernweite Jahresumsatz soll zuletzt stabil bei rund 170 Millionen Euro gelegen sein. Insgesamt sind fast 400 Mitarbeiter in zehn Ländern europaweit (Deutschland, Österreich, Schweiz, Liechtenstein, Niederlande, Ungarn, Tschechische Republik, Rumänien, Slowakei und Türkei) beschäftigt. Größte Gesellschafterin der deutschen Mutterfirma Mediashop International Group GmbH, die nicht vom Sanierungsverfahren betroffen ist, ist die Schneider Holding GmbH um Dieter und Katharina Schneider mit Sitz in Neunkirchen.
Zur Geschichte:
- 1999: Gründung MediaShop AG, Markteintritt Schweiz und Österreich
- 2006: Übernahme MediaShop AG und Telemarketing Kft durch Schneider Holding
- 2012: eigenes Studio, mehr als 100 Mitarbeiter
- 2013: erstmals über 50 Millionen Euro Umsatz
- 2015: erstmals über 100 Millionen Euro Umsatz
- 2016: über 200 Mitarbeiter
- 2019: Umzug ins Hauptquartier in Neunkirchen, über 300 Mitarbeiter
- 2021: über 240 Millionen Euro Umsatz
- 2022: Katharina Schneider beendet Geschäftsführertätigkeit und überträgt diese an das Management
- 2026: Beantragung eines Insolvenzverfahrens ohne Eigenverwaltung