Olympia: Russin trug Ukraineschild bei der Eröffnungsfeier

19. Februar 2026

Bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina hat eine Russin das Schild der ukrainischen Mannschaft ins Stadion getragen. Die in Mailand lebende Anastasia Kutscherowa wollte damit gegen den Angriffskrieg protestieren, den ihr Heimatland gegen die Ukraine führt. Als eine der Freiwilligen hatte sie sich vorab dafür entschieden, das Schild der ukrainischen Mannschaft zu tragen.

Bisher war es nicht öffentlich bekannt gewesen, daß es sich bei der Schildträgerin um eine Russin handelte. Kutscherowa trug einen langen silberfarbenen Wintermantel mit Kapuze und eine dunkle Brille, so wie alle anderen Schildträger bei der Eröffnungsfeier am 7. Februar auch. Ihren Auftritt enthüllte die Architektin Kutscherowa zunächst bei Instagram und dann in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP. WWenn du an der Seite dieser Menschen gehst, begreifst du, daß sie jedes menschliche Recht haben, Hass gegenüber jedem Russen zu verspüren", sagte sie. "Dennoch denke ich, daß es wichtig ist, selbst eine kleine Tat zu tun, um ihnen zu zeigen, daß vielleicht nicht alle Menschen so denken."

Zur ukrainischen Delegation gehörten zwei Sportler, deren Väter im Krieg an der Front kämpfen. "Es gibt buchstäblich nichts, was du sagen kannst, das den Schaden rückgängig machen kann, den diese Menschen bereits erlitten haben, und es gibt kein Wort, das Verzeihung nahekommt", sagte Kutscherowa.

Kutscherowa lebt seit 14 Jahren in Mailand. Russland hat sie nach eigenen Angaben seit 2018 nicht mehr besucht. Sie wisse, daß sie ein Risiko eingehe, indem sie öffentlich Stellung gegen die russische Regierung beziehe. "Ich muß deswegen besorgt sein und ich soll deswegen Angst haben", sagte sie. "Und ich kann nicht garantieren, daß mein Protest niemandem schaden wird, den ich kenne." Aber ihrer Meinung nach würde es bedeuten, daß das Regime gewonnen hätte, "wenn ich, die in einem demokratischen Land lebt und alle Freiheiten genie&sztlig;t, Angst habe".

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Kurz bevor sie ins Stadion eingelaufen seien, habe sie sich umgedreht und zu den Ukrainern gesagt, daß sie sich auf Standing Ovations gefasst machen könnten. Die Ukrainer hätten skeptisch gewirkt. Als dann der Jubel ausbrach, sei es ihr so vorgekommen, als ob das gesamte Stadion "ihre Unabhängigkeit anerkennt, ihren Freiheitswillen anerkennt, ihren Mut, es den ganzen Weg zu Olympia zu schaffen". Sie habe weinen müssen, sagte Kutscherowa.

Das ukrainische Außenministerium kritisierte Kutscherowas Aktion allerdings. Der Sprecher des Ministeriums, Heorhij Tychyj schrieb auf der Plattform X, es scheine so, als seien die IOC-Verantwortlichen "nicht nur Trottel, sondern auch regelrechte Sadisten".

Ein Sprecher des italienischen Organisationskomitees sagte, dieses habe erst durch Medienberichte vom Hintergrund der Russin erfahren. "Es gab rund 1200 Freiwillige, die die Eröffnungsfeier einzigartig machen sollten. Wir können nicht jeden Einzelnen überprüfen", sagte Luca Casassa. IOC-Sprecher Mark Adams sagte: "Ich habe wenig dazu zu sagen. Aus meiner Sicht ist es kein Problem, wenn jemand ein Schild trägt."

Der russische Angriffskrieg ist damit nicht zum ersten Mal Thema bei den diesjährigen Winterspielen. Große Debatten hat die Disqualifikation des ukrainischen Skeletonfahrers Wladyslaw Heraskewytsch ausgelöst. Dieser wollte mit seinem Helm an im Krieg getötete Sportler erinnern, was das IOC nicht zuließ.