Zehn Jahre nach 2015: Syrer bei Einbürgerungen auf Rekordkurs
15. Februar 2026
Im Flüchtlingsjahr 2015 wurden 88340 Asylanträge gestellt – ein historischer Höchstwert. 14413 Personen erhielten im selben Jahr tatsächlich Asyl.
2026 ist die Zehn-Jahres-Marke erreicht. Wer seither rechtmäßig im Land lebt, kann nun grundsätzlich die Staatsbürgerschaft beantragen – sofern Einkommen, Deutschkenntnisse, Unbescholtenheit und Sicherheitsprüfung erfüllt sind.
Ein Blick in die Statistik zeigt: die Struktur der Einbürgerungen hat sich spürbar verändert.
2013 wurden 83 Syrer im Inland eingebürgert. 2015 waren es 79. Dann kam die Wende:
2021: 543
2022: 1165
2023: 1866
2024: 2241
Binnen elf Jahren hat sich die Zahl mehr als verzwanzigfacht. Seit 2021 sogar vervierfacht.
Und 2025? Von Jänner bis September wurden bereits 2080 Syrer eingebürgert. Das entspricht 19,1 Prozent aller Inlandseinbürgerungen – fast jede fünfte neue Staatsbürgerschaft geht derzeit an Personen syrischer Herkunft. Syrer sind damit die größte Einzelgruppe unter neuen Staatsbürgern in Österreich.
Die endgültigen Gesamtzahlen für 2025 veröffentlicht Statistik Austria am kommenden Mittwoch.
Bereits vor einem Jahr warnte die FPÖ vor einer Einbürgerung "tausender Menschen" als Folge des Jahres 2015. Im Februar 2025 forderte FPÖ-Chef Herbert Kickl eine Verlängerung der Frist von 10 auf 15 Jahre. Asyl sei "Schutz auf Zeit" und dürfe nicht durch bloßen Zeitablauf zur Staatsbürgerschaft werden.
Ein Jahr später ging die Partei noch weiter. 2026 forderte sie im Nationalrat, Asylberechtigten den Zugang zur Staatsbürgerschaft grundsätzlich zu verwehren – unabhängig von Aufenthaltsdauer, Integration oder erfüllten Kriterien. Aus Sicht der FPÖ ist es ein "Systemfehler", wenn aus Schutz jemals Staatsbürgerschaft wird.
Die Koalition hielt dagegen: kein Automatismus, sondern strenge Einzelfallprüfungen und eines der restriktivsten Staatsbürgerschaftsrechte Europas. Pauschale Ausschlüsse seien verfassungsrechtlich problematisch. Der Antrag scheiterte – politisch bleibt das Thema hochbrisant.
Die Zehn-Jahres-Marke betrifft nicht nur 2015. 2016 gab es 22307 positive Asylbescheide – 15528 davon für Syrer. 2017 folgten weitere 21767, darunter 11827 Syrer und 4274 Afghanen. Diese Kohorten erreichen ihre Zehn-Jahres-Marke erst 2027 und 2028.
Ob daraus ein spürbarer Anstieg bei Einbürgerungen entsteht, hängt von Einkommen, Integration und Einzelfallprüfungen ab – also von den Kriterien, die man beim Erlangen der Staatsbürgerschaft erfüllen muß.
Syrien führt klar. Dahinter folgen Türkei, Afghanistan, Bosnien-Herzegowina und Iran. Gemeinsam stellen diese fünf Herkunftsstaaten knapp die Hälfte aller Inlandseinbürgerungen bis September 2025.
Die Einbürgerungen konzentrieren sich damit zunehmend auf wenige Länder.
Der langfristige Trend ist ebenso bemerkenswert. 2006 wurden 25746 Personen im Inland eingebürgert. Danach folgte der Einbruch bis zum Tiefpunkt 2010 mit 6135. Seither geht es fast kontinuierlich nach oben.
Von 2019 bis 2024 stiegen die Einbürgerungen von 10500 auf 13036 – der höchste Stand seit 2008. Seit 2010 haben sich die Inlandseinbürgerungen mehr als verdoppelt.
Früher dominierten europäische Drittstaaten – inklusive Türkei. 2006 waren es 18204 Einbürgerungen. 2024 lag diese Gruppe bei 4563.
Die Dynamik kommt mittlerweile aus Asien (ohne Türkei und Zypern): mit 5341 Einbürgerungen im Jahr 2024 hat sich die Zahl binnen drei Jahren mehr als verdoppelt. Damit hat sich das Schwergewicht der Einbürgerungen geografisch verlagert. 2024 überholt Asien erstmals klar die europäischen Drittstaaten. Das ist kein kurzfristiger Ausreißer – sondern eine klare Verschiebung.
Neben Syrien wachsen auch Afghanistan und Iran deutlich. 2013 erhielten 208 Afghanen die Staatsbürgerschaft, 2024 waren es 1056. Bei Iranern stieg die Zahl von 180 (2013) auf 655 (2024). Syrer und Afghanen stellten 2024 gemeinsam über 3200 Einbürgerungen – mehr als 60 Prozent aller asiatischen Inlandseinbürgerungen.
Die Gesamtzahlen steigen. Die Herkunft verschiebt sich. Und Syrer sind die größte Einzelgruppe.