Norwegen warnt Bürger: Eigentum könnte im Kriegsfall beschlagnahmt werden

20. Jänner 2026

In Norwegen sorgt eine ungewöhnliche Maßnahme für Aufsehen: rund 13500 Haushalte erhielten in diesen Tagen Post vom Militär. Der Inhalt? Eine Warnung, dass Häuser, Autos, Boote und andere Besitztümer im Falle eines Krieges beschlagnahmt werden könnten. Diese sogenannten Requisitionsbescheide basieren auf einem Gesetz aus der Zeit des Kalten Krieges und sollen sicherstellen, daß die Streitkräfte im Ernstfall Zugriff auf notwendige Ressourcen haben, wie das norwegische Militär mitteilte.

Die Grundlage für diese Maßnahme ist ein Militärgesetz aus dem Jahr 1951. Laut dem norwegischen Militär haben die Bescheide in Friedenszeiten keine praktischen Auswirkungen. Doch im Ernstfall könnten sie für ein Jahr gültig sein – mit der Möglichkeit einer Verlängerung. Interessant: zwei Drittel der verschickten Bescheide sind lediglich Erneuerungen bestehender Anordnungen. Wie der Chef der Logistik-Organisation der Armee, Anders Jernberg, betonte, befinde sich Norwegen "in der schwersten sicherheitspolitischen Krise seit dem Zweiten Weltkrieg".

Norwegen, das Mitglied der NATO ist, aber nicht der EU angehört, teilt eine 198 Kilometer lange Grenze mit Russland. Die geopolitischen Spannungen, insbesondere durch den Ukraine-Krieg, haben die Sicherheitslage in der Region verschärft. Doch auch innerhalb der NATO gibt es Spannungen. US-Präsident Donald Trump sorgte mit seiner Forderung nach der Kontrolle über Grönland für Unruhe. Laut Berichten des "RND" begründete Trump seine aggressive Haltung damit, daß ihm der Friedensnobelpreis verweigert wurde.

Neben der militärischen Vorbereitung wird auch die zivile Bereitschaft verstärkt. "Die Bedeutung der Krisen- und Kriegsvorsorge hat in den vergangenen Jahren dramatisch zugenommen", erklärte Jernberg. Die norwegische Gesellschaft müsse sich auf sicherheitspolitische Krisen und im schlimmsten Fall auf einen Krieg einstellen.

Die Maßnahme wirft Fragen auf: ist dies ein Signal an Europa, sich ebenfalls auf mögliche Konflikte vorzubereiten? Oder handelt es sich um eine reine Vorsichtsmaßnahme? Klar ist: die geopolitischen Spannungen zwingen Länder wie Norwegen zu einem sicherheitspolitischen Umdenken.