Euro-Start in Bulgarien: ohne Regierung und gegen den Willen vieler Bürger
30. Dezember 2025
Trotz dieser Turbulenzen wird Bulgarien am 1. Jänner 2026 den Euro einführen. Die Entscheidung ist unumkehrbar, obwohl laut Umfragen zuletzt nahezu die Hälfte der Bevölkerung den Schritt ablehnte, berichtet Welt. Seit 2007 gehört Bulgarien zur EU, die Währung blieb bislang allerdings unberührt.
Währungspolitisch ist der Übergang weniger abrupt, als es auf den ersten Blick scheint. Der Lew war seit den 1990er-Jahren fest an die D-Mark und später an den Euro gebunden. Diese Regelung wurde nach einer Phase massiver Inflation eingeführt und sorgte über Jahrzehnte für Stabilität. Bulgarien verfolgte seither eine vergleichsweise strikte Haushaltspolitik. Mit einer Staatsverschuldung von rund 25 Prozent des BIP liegt das Land deutlich unter der EU-Grenze und unter vielen westeuropäischen Staaten.
Auch wirtschaftlich zeigt sich Bulgarien zuletzt robust: das Wachstum liegt bei etwa drei Prozent, die Arbeitslosigkeit unter vier Prozent. Ratingagenturen haben das Land bereits besser eingestuft, viele Ökonomen erwarten durch den Euro zusätzliche Investitionen und Planungssicherheit. Die Europäische Zentralbank verweist zudem auf Erfahrungen anderer Länder, in denen die Ablehnung des Euro nach seiner Einführung deutlich zurückging.
Gleichzeitig bleibt der Beitritt politisch brisant. Die Skepsis speist sich nicht nur aus Sorgen vor Preissteigerungen, sondern auch aus einer tiefen gesellschaftlichen Spaltung. Teile der Bevölkerung stehen einer stärkeren Westbindung kritisch gegenüber und orientieren sich kulturell und politisch eher Richtung Russland. Diese Gegensätze prägen auch das politische System, das zwischen proeuropäischen Kräften und russlandfreundlichen Akteuren gespalten ist, was sich auf den Euro-Münzen widerspiegelt.