Drei Verletzte in Gießen: 32jäähriger Aserbaidschaner rast in Menschenmenge

22. Dezember 2025

Die Tat spielte sich am Montagabend in der Nähe der Johanniskirche in Gießen ab. Die Polizei bestätigte auf Nachfrage von NIUS eine größere Einsatzlage und hat den Tatort großflächig abgesperrt.

In einer Pressemitteilung heißt es: "Gegen 16.30 Uhr prallte der Fahrer eines Audis in eine Bushaltestelle und verletzte drei Personen, eine dieser Personen ist schwerverletzt. Bisher geht die Polizei davon aus, daß der 32jährige Fahrer des Audis zuvor über die Westanlage in Richtung Südanlage gefahren war. An der Ampel der Einmündung der Frankfurter Straße prallte er mit zwei in gleicher Richtung fahrenden Pkw zusammen, setzte seine Fahrt auf der Südanlage in Richtung Goethestraße fort und prallte an einer Bushaltestelle mit den Personen zusammen. Der 32jährige Fahrer aus Aserbaidschan, der in Gießen lebt, setzte seine Fahrt über die Goethestraße in die Johannesstraße fort, stoppte dort und wurde letztlich von der Polizei festgenommen. Die genauen Umstände des Sachverhaltes sind derzeit nicht bekannt und Gegenstand der laufenden Ermittlungen."

Update 23. Dezember 2025, 13:38 Uhr
Nach dem Auto-Anschlag am Montagabend in der Gießener Südanlage gehen die Ermittlungsbehörden inzwischen klar von einer vorsätzlichen Tat aus. Der aserbaidschanische Fahrer eines dunklen Audi A6 soll sein Fahrzeug gezielt als Waffe eingesetzt haben. Gegen den 32 Jahre alten Tatverdächtigen besteht der dringende Verdacht des versuchten Mordes, des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr sowie der gefährlichen Körperverletzung.

Am Dienstagnachmittag erklärte Poseck, man gehe derzeit nicht davon aus, "daß bei dieser Fahrt ein politischer oder gar terroristischer Hintergrund gegeben ist". Die Polizei weise auf eine mögliche psychische Erkrankung hin. Den Begriff der "Amoktat" wolle er nicht verwenden, da die Motivlage bislang ungeklärt sei.

Insgesamt wurden sieben Personen verletzt, darunter auch der Fahrer selbst. Eine Frau musste schwerverletzt notoperiert werden, zwei weitere Geschädigte standen unter Schock.

Besonders bemerkenswert ist die Begründung, mit der Poseck seine Zurückhaltung bei der Bewertung der Tat erklärte. Wörtlich sagte der Innenminister:

"Klar ist jedenfalls: er hat sich über eine längere Strecke in Gießen bewegt und hat dabei verschiedene Fahrzeuge berührt bzw. ist mit diesen kollidiert – auch die schwere Verletzung der einen Frau ist nicht auf eine direkte Kollision mit dem Fahrzeug des Täters zurückzuführen, sondern auf eine mittelbare Kollision – ein Kleinwagen ist gegen sie geschleudert worden. Das spricht nicht unbedingt dafür, daß der Fahrer absichtlich Menschen verletzen wollte."

Daß ausgerechnet der Umstand, daß ein Fahrzeug über eine längere Strecke mehrere Kollisionen verursachte und dabei Menschen verletzt wurden, als Argument gegen eine absichtliche Tat herangezogen wird, steht dabei im Kontrast zur rechtlichen Einordnung der Staatsanwaltschaft, die von einem vorsätzlichen Einsatz des Autos ausgeht.

Unmittelbar im Anschluß an die Pressekonferenz verlagerte Poseck den Fokus zudem auf die Sicherheitslage insgesamt und sprach von einer "ausgesprochen positiven Bilanz der Weihnachtsmarktsaison". "Die, die Panik schüren und Angst haben, haben nicht recht gehabt", erklärte der Innenminister. Diese Aussage steht zeitlich und inhaltlich unmittelbar nach einem Tatgeschehen mit mehreren Verletzten – darunter einer lebensgefährlich verletzten Frau – und wirkt vor diesem Hintergrund mindestens unglücklich, auch wenn es – wie es Poseck ausdrückt – "keine direkte Gefahr für den Weihnachtsmarkt in Gießen" gegeben habe.